Vor der Saison 2026 wurde in Kroatien öffentlich über Preisniveau und Preis-Leistung im Tourismus gesprochen. Tourismusminister Tonči Glavina appellierte an den Sektor, Erwartungen, Margen und Preise zu senken. Das ist zunächst eine breite touristische Debatte und keine spezifische Aussage über Marinas.
Für Crews und Bootseigner stellt sich parallel aber eine sehr konkrete Frage: Wie haben sich eigentlich die veröffentlichten Liegeplatzpreise im Revier entwickelt? Wer Kroatien nicht nur als Urlaubsziel, sondern als Törngebiet plant, merkt schnell, dass Liegeplatzkosten längst nicht mehr nur eine Nebensache am Ende des Tages sind. Sie beeinflussen Route, Reservierung, Etappenlänge und manchmal auch die Entscheidung zwischen Marina, Stadtkai oder Bojenfeld.
Die folgende Auswertung zeigt, wie sich die veröffentlichten ACI-Liegeplatzpreise von 2020 bis 2026 entwickelt haben. Sie hilft Seglern und Bootseignern dabei, Preisbewegungen besser einzuordnen, Unterschiede zwischen Liegeplatzarten zu erkennen und die Kostenfrage bewusster in die Törn- oder Langfristplanung einzubeziehen. Nicht bewertet werden Servicequalität, betriebswirtschaftliche Hintergründe oder einzelne Betreiberentscheidungen.

Warum Liegeplatzkosten für Crews und Eigner relevanter werden
Für Chartercrews geht es meist um Tagesliegeplätze. Eine Nacht in der Marina kann sinnvoll sein, wenn Wasser, Strom, Crewwechsel, Wetter oder Versorgung auf dem Plan stehen. Gleichzeitig entscheidet der Preis manchmal mit, ob man einen Stopp früher reserviert, auf einen Stadtkai ausweicht oder eine geschützte Bucht mit Bojenfeld wählt.
Für Bootseigner, Langfahrtsegler und Crews, die länger im Revier bleiben, sind Monats- und Jahresliegeplätze wichtiger. Hier werden Preisbewegungen nicht nur als einzelne Nacht spürbar, sondern als Planungsgröße über Wochen oder eine ganze Saison. Das betrifft nicht nur das Budget, sondern auch die Frage, welche Region als Basis sinnvoll bleibt.
Der praktische Punkt ist deshalb einfach: Je voller und strukturierter ein Revier wird, desto früher gehört die Liegeplatzfrage in die Planung. Nicht, um jeden Abend festzulegen, sondern um kritische Stopps realistisch einzuschätzen.
Was wurde ausgewertet?
Die redaktionelle Analyse basiert auf 3.262 aus ACI-Preislisten abgeleiteten Einzelwerten. Berücksichtigt wurden die Preislisten für 2020, 2021, 2022, 2023, 2024, 2025 und 2026. Von 2024 auf 2025 gab es keine Preisänderungen, alle Preise wurden aus dem Vorjahr unverändert übernommen.
Ausgewertet wurden ausschließlich Liegeplätze im Wasser für Bootsgrößen von 10 bis 17 Metern. Nicht enthalten sind Trockenliegeplätze, Kran- oder Travel-Lift-Leistungen, Bojenpreise, Apartments, Katamaran- und Trimaranzuschläge sowie marina-spezifische Wochenendaufschläge.
Für Tages- und Monatsliegeplätze wurde je Marina, Jahr und Bootslänge der höchste veröffentlichte Saisontarif verwendet. Für Jahresliegeplätze wurde der ausgewiesene Jahrespreis genutzt. Die HRK-Preislisten 2020 bis 2022 wurden mit dem festen Umrechnungskurs 1 EUR = 7,53450 HRK in Euro umgerechnet.
Der wichtigste Befund: 2026 fällt vor allem bei Monatsliegeplätzen auf
Der stärkste übergreifende Preissprung im Equal-Weight-Gesamtindex tritt 2026 gegenüber 2025 auf: plus 37,1 Prozent. Dieser Gesamtwert fasst Tages-, Monats- und Jahresliegeplätze gleichgewichtet zusammen. Entscheidend ist dabei die Einordnung: Der starke Ausschlag 2026 wird wesentlich durch die Monatstarife geprägt.
Nach Liegeplatzart zeigt die Auswertung ein differenziertes Bild. Tagesliegeplätze erreichen ihren größten durchschnittlichen Vorjahresanstieg 2023 gegenüber 2022 mit plus 11,0 Prozent. Jahresliegeplätze steigen ebenfalls 2023 am stärksten, um plus 8,1 Prozent. Bei Monatsliegeplätzen sticht dagegen 2026 heraus: Gegenüber dem unveränderten Jahr 2025 liegt der durchschnittliche Anstieg bei plus 92,8 Prozent.
Für Crews bedeutet das: Die Tagespreise steigen spürbar, aber vergleichsweise stetig. Jahresliegeplätze bewegen sich ebenfalls in einer ruhigeren Linie. Der auffällige Bruch in der Gesamtauswertung liegt bei den Monatstarifen 2026.

Entwicklung seit 2020
Über den gesamten Zeitraum von 2020 bis 2026 steigen die durchschnittlichen Tagesliegeplätze von 106,1 Euro auf 146,5 Euro. Das entspricht plus 38,1 Prozent. Monatsliegeplätze steigen von 1.353,0 Euro auf 3.185,1 Euro und damit um plus 135,4 Prozent. Jahresliegeplätze bewegen sich von 6.188,6 Euro auf 8.014,0 Euro, also plus 29,5 Prozent.
Die Corona-Jahre 2020 und 2021 wirken in mehreren Reihen als ruhigere Phase. 2022 und 2023 wird die Aufwärtsbewegung stärker sichtbar. Das ist als zeitliche Einordnung wichtig, aber keine Kausalbehauptung. Die Daten beweisen nicht, dass Pandemie, Tourismusentwicklung oder einzelne Marktentscheidungen die Preisentwicklung verursacht haben.
Jahresliegeplätze 2020-2026 nach Bootsgröße
| Bootsgröße | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 10 m | 3.796,0 € | 3.818,3 €+0,6 % | 4.018,1 €+5,2 % | 4.340,5 €+8,0 % | 4.558,5 €+5,0 % | 4.558,5 €0,0 % | 4.916,8 €+7,9 % |
| 11 m | 4.315,8 € | 4.340,7 €+0,6 % | 4.567,7 €+5,2 % | 4.934,1 €+8,0 % | 5.182,0 €+5,0 % | 5.182,0 €0,0 % | 5.589,2 €+7,9 % |
| 12 m | 5.047,0 € | 5.073,8 €+0,5 % | 5.338,0 €+5,2 % | 5.766,1 €+8,0 % | 6.055,7 €+5,0 % | 6.055,7 €0,0 % | 6.532,4 €+7,9 % |
| 13 m | 5.669,9 € | 5.699,8 €+0,5 % | 5.996,8 €+5,2 % | 6.477,3 €+8,0 % | 6.802,3 €+5,0 % | 6.802,3 €0,0 % | 7.337,9 €+7,9 % |
| 14 m | 6.261,0 € | 6.293,8 €+0,5 % | 6.621,7 €+5,2 % | 7.157,7 €+8,1 % | 7.516,4 €+5,0 % | 7.516,4 €0,0 % | 8.107,9 €+7,9 % |
| 15 m | 6.881,7 € | 6.900,0 €+0,3 % | 7.259,2 €+5,2 % | 7.846,9 €+8,1 % | 8.240,3 €+5,0 % | 8.240,3 €0,0 % | 8.888,7 €+7,9 % |
| 16 m | 8.097,6 € | 8.141,9 €+0,5 % | 8.579,3 €+5,4 % | 9.273,7 €+8,1 % | 9.738,3 €+5,0 % | 9.738,3 €0,0 % | 10.504,1 €+7,9 % |
| 17 m | 8.807,8 € | 8.855,7 €+0,5 % | 9.331,3 €+5,4 % | 10.086,8 €+8,1 % | 10.591,9 €+5,0 % | 10.591,9 €0,0 % | 11.424,7 €+7,9 % |
Jahresliegeplätze steigen im betrachteten Zeitraum deutlich stetiger als Monatsliegeplätze. 2023 ist hier der stärkste Vorjahresanstieg; 2026 liegt das Niveau nochmals klar über 2025.
Preisbandbreiten 2026: gleiche Bootslänge, sehr unterschiedliche Preise
| Länge | Liegeplatzart | Günstigste Marina | Minimum | Teuerste Marina | Maximum | Faktor |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 12 m | Tagesliegeplatz | S.DRAGA | 86 € | ROVINJ | 204 € | 2,37× |
| 12 m | Monatsliegeplatz | S.DRAGA | 1.950 € | SPLIT | 3.800 € | 1,95× |
| 12 m | Jahresliegeplatz | KORČULA | 4.918 € | SPLIT | 9.592 € | 1,95× |
| 15 m | Tagesliegeplatz | OPATIJA | 114 € | ROVINJ | 256 € | 2,25× |
| 15 m | Monatsliegeplatz | OPATIJA | 2.550 € | ROVINJ | 4.600 € | 1,80× |
| 15 m | Jahresliegeplatz | KORČULA | 6.688 € | SPLIT | 12.850 € | 1,92× |
| 17 m | Tagesliegeplatz | S.DRAGA | 128 € | ROVINJ | 312 € | 2,44× |
| 17 m | Monatsliegeplatz | S.DRAGA | 2.900 € | ROVINJ | 5.400 € | 1,86× |
| 17 m | Jahresliegeplatz | KORČULA | 8.476 € | SPLIT | 17.542 € | 2,07× |
Die Spannweite zwischen den betrachteten ACI-Marinas ist 2026 erheblich. Bei 12- bis 17-Meter-Yachten reicht der Abstand zwischen der günstigsten und teuersten ACI Marina in mehreren Kategorien bis etwa zum Doppelten oder darüber. Genau hier wird die Standortwahl praktisch: Eine Crew plant nicht nur die Entfernung, sondern auch die Kostenlogik des Abends.

Region und Marina zählen: günstigste und teuerste Werte im Vergleich
Die regionale Auswertung zeigt die günstigste und teuerste ACI-Marina je Region und Liegeplatzart. Grundlage ist der Durchschnitt der veröffentlichten Basispreise 2026 über 10 bis 17 Meter innerhalb der jeweiligen Marina. Diese Darstellung ist kompakt, aber vollständig genug, um die Unterschiede zwischen Region, Liegeplatzart und konkreter Marina sichtbar zu machen.
| Region | Liegeplatzart | Günstigste Marina | Ø 10-17 m | Teuerste Marina | Ø 10-17 m |
|---|---|---|---|---|---|
| Istrien | Tagesliegeplätze | UMAG | 111,5 € | ROVINJ | 253,3 € |
| Istrien | Monatsliegeplätze | UMAG | 2.512,5 € | ROVINJ | 4.366,7 € |
| Istrien | Jahresliegeplätze | PULA | 6.321,8 € | ROVINJ | 12.544,3 € |
| Kvarner | Tagesliegeplätze | S.DRAGA | 100,5 € | CRES | 137,2 € |
| Kvarner | Monatsliegeplätze | S.DRAGA | 2.262,5 € | CRES | 3.093,8 € |
| Kvarner | Jahresliegeplätze | S.DRAGA | 7.008,0 € | OPATIJA | 9.064,5 € |
| Norddalmatien | Tagesliegeplätze | ŠIMUNI | 118,5 € | PIŠKERA | 160,2 € |
| Norddalmatien | Monatsliegeplätze | ŠIMUNI | 2.668,8 € | SKRADIN | 3.612,5 € |
| Norddalmatien | Jahresliegeplätze | ŠIMUNI | 6.237,8 € | VODICE | 8.237,5 € |
| Mitteldalmatien | Tagesliegeplätze | VRBOSKA | 130,5 € | SPLIT | 188,0 € |
| Mitteldalmatien | Monatsliegeplätze | VRBOSKA | 2.950,0 € | SPLIT | 4.250,0 € |
| Mitteldalmatien | Jahresliegeplätze | VRBOSKA | 6.416,5 € | SPLIT | 11.780,0 € |
| Süddalmatien | Tagesliegeplätze | DUBROVNIK | 146,0 € | SLANO | 161,2 € |
| Süddalmatien | Monatsliegeplätze | DUBROVNIK | 2.800,0 € | KORČULA | 3.831,2 € |
| Süddalmatien | Jahresliegeplätze | KORČULA | 5.972,2 € | DUBROVNIK | 9.471,8 € |
Diese Infobox ist kein Qualitätsranking. Sie zeigt nur, wo in der vorliegenden Auswertung die niedrigsten und höchsten veröffentlichten Basispreise innerhalb einer Region liegen. Schutz, Lage, Erreichbarkeit, Infrastruktur und Reservierbarkeit können für Crews wichtiger sein als der niedrigste Betrag.
Auffällige Monatssprünge 2026
Trogir (Mitteldalmatien)
Monatsliegeplätze:
1.116,2 € auf 3.818,8 €
Ein Plus von 242,1 %.
Slano (Süddalmatien)
Monatsliegeplätze:
1.260,5 € auf 3.643,8 €
Ein Plus von 189,1 %.
Pomer (Istrien)
Monatsliegeplätze:
1.264,8 € auf 3.031,2 €
Ein Plus von 139,7 %.
Korčula (Süddalmatien)
Monatsliegeplätze:
1.600,8 € auf 3.831,2 €
Ein Plus von 139,3 %.
Pula (Istrien)
Monatsliegeplätze:
1.262,2 € auf 2.912,5 €
Ein Plus von 130,7 %.
Alle fünf größten marina-bezogenen Einjahressprünge der Auswertung betreffen Monatsliegeplätze von 2025 auf 2026. Das zeigt deutlich, warum gerade die Monatstarife 2026 besonders auffallen. Für Crews und Bootseigner ist das kein Anlass für Dramatisierung, aber ein sinnvoller Hinweis darauf, Monatsliegeplätze bei der Planung und beim Preisvergleich genauer im Blick zu behalten.
Was bedeutet das praktisch für Crews und Eigner?
Für Chartercrews gehören Liegeplatzkosten früher in die Routenplanung. Nicht jede Nacht muss in einer Marina enden, und nicht jede Marina ist allein über den Preis zu bewerten. Aber wer in beliebten Regionen unterwegs ist, sollte wissen, wo ein geplanter Marina-Stopp sinnvoll ist und wo Stadtkai, Bojenfeld oder Bucht die bessere Lösung sein können.
Für Eigner und Langzeitnutzer zeigen Monats- und Jahresliegeplätze den größeren Markttrend. Monatsliegeplätze springen 2026 deutlich stärker als Tages- und Jahresliegeplätze. Wer ein Boot für mehrere Wochen in Kroatien stationieren möchte, sollte deshalb nicht nur die Region, sondern auch die konkrete Marina und die gewünschte Liegeplatzart vergleichen.
Auch die Bootsgröße zählt. In der vorliegenden Auswertung liegt der durchschnittliche Jahresliegeplatz für 17 Meter 2026 rund 74,9 Prozent über dem 12-Meter-Wert. Größere Boote verteuern Liegeplätze also nicht linear im Alltagsempfinden, sondern spürbar. Für Katamarane oder Sonderformen kommen mögliche Zuschläge hinzu, die hier nicht enthalten sind.
Preis bleibt trotzdem nur ein Faktor. Schutz bei Bora oder Jugo, Lage zur Route, Ansteuerung, Verfügbarkeit, Reservierbarkeit, Sanitärqualität, Service, Versorgung und Crewlogistik können wichtiger sein als die niedrigste Zeile in einer Tabelle. Gute Planung heißt nicht, immer den günstigsten Platz zu suchen. Gute Planung heißt, Kosten, Sicherheit und Tagesrhythmus bewusst zusammenzubringen.
Fazit
Der Appell aus der kroatischen Tourismuspolitik zeigt, dass Preis-Leistung vor der Saison 2026 sichtbar diskutiert wird. Die ACI-Auswertung macht deutlich, warum diese Frage auch für Wassersportler relevant ist. Die Preisbewegungen fallen je nach Liegeplatzart sehr unterschiedlich aus: Tagesliegeplätze steigen deutlich, Jahresliegeplätze vergleichsweise stetig, Monatsliegeplätze stechen 2026 klar hervor.
Für Törnplanung und Langfristkosten lohnt sich deshalb ein genauerer Blick auf Region, Bootslänge und Liegeplatzart. Die nächste praktische Frage liegt nahe: Wann ist in Kroatien eine Marina sinnvoll, wann ein Stadtkai, wann ein Bojenfeld?
Quellen und Methodik: Grundlage sind die ACI-Preislisten 2020, 2021, 2022, 2023, 2024, 2025 und 2026 sowie unsere eigene redaktionelle Auswertung. Die Aussagen des Kroatischen Ministers beziehen sich auf den Morski.hr-Artikel „Glavina: Ovo je bitna godina, smanjite cijene“ vom 10. Mai 2026. Alle Werte sind veröffentlichte ACI-Tarife, Durchschnittswerte oder höchste veröffentlichte Saisontarife in der vorliegenden Auswertung; Basispreise ohne Zuschläge oder ACI Karten Rabatt. Kosten für Strom und Wasser sind in die Betrachtung nicht eingeflossen.